Abb. Titelseite: Sigmund Freud. Persönliche Erinnerungen
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Isidor Sadger
Sigmund Freud. Per
sönliche Erinnerungen
Herausgegeben und mit einem Nach
wort versehen von
Andrea Huppke und Michael Schröter
Tübingen 2006, 160 Seiten. 19,90 Euro
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Die Veröffentlichung dieses Buches ist eine kleine Sensation. Es lag schon 1930 gedruckt vor, wurde aber vom Autor zurückgehalten, weil es erst nach Freuds Tod (den der Text als bereits geschehen imaginiert) erscheinen sollte. 1932 erfuhr die psychoanalytische Vereinsführung von seiner Existenz und versuchte, es zu unterdrücken. Nach 1933 wurde die ganze Auflage vernichtet, das Buch war verschollen. 2004 tauchte dann doch ein Exemplar auf – in einer japanischen Bibliothek.

Sadger, ein Freud-Schüler der ersten Stunde, erzählt von den wenig glanzvollen Anfängen Freuds, bringt Anekdoten aus dem Binnenleben der Wiener Analytikergruppe, macht deren Kränkung spürbar, als Freud ihnen die Züricher Universitätspsychiater um Jung vorzog, und schildert Freuds charismatische Kraft als Lehrer und Gruppenleiter. Anstößig wirkt die Aggressivität, die viele Passagen durchdringt, und Sadgers unverkennbare Ambivalenz gegenüber Freud.

Die Herausgeber stellen in einem ausführlichen Nachwort zusammen, was über Sadgers Leben bekannt ist, charakterisieren seine Position unter seinen Kollegen und bieten paradigmatische Einblicke in sein Werk. In einem Anhang werden die Briefstücke abgedruckt, die das dramatische Schicksal seines Freud-Buchs dokumentieren.

Die Herausgeber:
Andrea Huppke,
geb. 1965, Studium der Philosophie und Psychologie, lebt als niedergelassene Psychoanalytikerin in Berlin. Mehrere Veröffentlichungen zur Geschichte der Psychoanalyse.
Michael Schröter, geb. 1944, Herausgeber von LUZIFER-AMOR.
www.may-schroeter.de

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