Heft 46 (23. Jg. 2010): Karl Abraham II - Konflikte, Kritik

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Friedl Früh

"... sonst bekommen wir ja Lumpen und nicht Neurotiker".
Zu Karl Abrahams Rezeption der Freud'schen Sexualtheorie (S. 44-57)

Zusammenfassung: In der vorliegenden Arbeit wird die Frage untersucht, wie Karl Abraham die Sexualtheorie Freuds aufgenommen und weiterentwickelt hat. Ausgehend vom Briefwechsel der beiden, werden einige exemplarische Schriften Abrahams diskutiert. Seine zunächst gering scheinenden Abweichungen vom Konzept Freuds haben zu entscheidenden Veränderungen von Theorie und Klinik geführt. Abrahams ungebrochene Betonung einer genetisch bedingten Aggression innerhalb der oralen und analen Entwicklungsphase, die die Unterscheidung zwischen den Selbsterhaltungs- und den Sexualtrieben vernachlässigt und kindliche Phantasien zu theoretischen Aussagen umformuliert, haben in der Folge die psychoanalytische Theorie entscheidend geprägt und in eine problematische Richtung geführt.

Summary: "... otherwise we should get, not neurotics, but scoundrels". Karl Abraham's reception of Freud's theory of sexuality. The author explores the question of how Abraham received, and elaborated on, Freud's theory of sexuality. Referring to their correspondence, she discusses some paradigmatic papers of Abraham, focussing on his seemingly minor departures from Freud's concept which, however, led to decisive changes of theory and practice. Abraham's unwavering insistence on a genetically based aggression in the oral and anal phases of development which ignores the difference between sexual drives and drives of self-preservation, reformulating infantile fantasies into theoretical notions, exerted a significant, albeit dubious, influence on later psychoanalytic theory formation.

Schlagworte: Abraham, Karl; Aggression; Freud: Theorie (Sexualtheorie)

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