Heft 57 (29. Jg. 2016): Heinz Kohut - Biographie und Rezeption

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Wolfgang Milch
Die Rezeption von Heinz Kohut in Deutschland (S. 47-66)

Zusammenfassung: Als Hintergrund wird zunächst die Diskussion der neuen Ideen Heinz Kohuts in den USA dargestellt. Sie führen zu einem gespaltenen Echo: Zum Teil werden sie als wichtige Neuerungen bisheriger psychoanalytischer Theorien mit Begeisterung aufgenommen, und ein Kreis von Kollegen bildet sich um Kohut, zum anderen wird dieser heftig abgelehnt, und alte Freunde distanzieren sich von ihm. In Deutschland werden seine Ideen zunächst positiv rezipiert. Kohuts Besuche, Vorträge und Supervisionen führen zu einem regen Austausch und einer Reihe freundschaftlicher Beziehungen. Als aber die Unterschiede zur klassischen Theorie deutlicher wurden, kam es zunehmend zu einer Ernüchterung und einem Rückzug. Die Relativierung der Trieb- und Ichpsychologie hatte nicht nur erhebliche Konsequenzen für die Behandlungsführung, sondern auch für das Menschenbild, die Beziehung zu den Patienten und für die eigene kritische Selbstreflexion. Auch in Deutschland bildete sich zunehmend ein Kollegenkreis, der sich die Ideen Kohuts zu eigen machte und weiterentwickelte.

Summary: The reception of Heinz Kohut in Germany. First, the discussion of Kohut’s new ideas in the United States is sketched as a background. The response to these ideas was divided: on the one hand they were hailed as important innovations of psychoanalytic theory, and a circle of colleagues formed around their author; on the other hand they were violently rejected, and old friends distanced themselves from him. In Germany Kohut’s ideas were initially well received. His visits, lectures and supervisions resulted in a lively exchange and a number of friendships. When the differences between Kohutian and classical theory became evident this led increasingly to disillusionment and retreat. De-emphasizing drive and ego psychology had considerable consequences for psychoanalytic technique as well as for the analyst’s Menschenbild, his relationship to the patient and his critical self-reflection. In Germany, too, a circle of colleagues emerged, following and elaborating the ideas of Kohut.

 

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