Heft 66 (33. Jg. 2020): Wolfgang Loch

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Jutta Gutwinski-Jeggle
Zum Briefwechsel zwischen Wolfgang Loch und Michael Balint (1961-70) (S. 8-35)

Zusammenfassung: Die Arbeit befasst sich mit dem Briefwechsel zwischen Michael Balint und Wolfgang Loch aus den Jahren 1961 bis 1970. Es sind insgesamt 97 Briefe erhalten, 60 von Balint und 37 von Loch. Bezugnahmen auf nicht vorhandene Briefe bezeugen, dass das Konvolut unvollständig ist, Rückschlüsse auf fehlende Themen sind aber möglich. Die Briefe geben ein lebendiges Bild über die wissenschaftliche und persönliche Beziehung der beiden zunächst ungleichen Briefpartner. Balint, 19 Jahre älter als Loch, ist ein renommierter, weltweit gefragter Psychoanalytiker, der den Assistenten von Alexander Mitscherlich in dessen Weiterentwicklung und Werdegang wissenschaftlich und persönlich einfühlsam bis hin zu Lochs Niederlassung und Habilitation an der Universität in Tübingen berät und begleitet. Gegenseitige persönliche Treffen vertiefen den Austausch und führen schließlich zu einer Freundschaft, in der sich die Dialogpartner wertschätzend auf Augenhöhe begegnen und sich über gemeinsame Themen z. B. Regression oder Zeiterleben und Depression austauschen. Balint lädt Loch zu einem Panel auf dem IPA-Kongress in Amsterdam 1965 ein, Loch würdigt Balints Beitrag zur Theorie und Praxis der Psychoanalyse in einer Arbeit, die zu Balints 70. Geburtstag erscheint. Loch erfährt von Balint viel über die Bedeutung der frühen Objektbeziehungen der englischen Schule und begeistert sich für die von Balint initiierten Seminare für Allgemeinärzte, in denen das Augenmerk auf die Beziehung zwischen Arzt und Patient gelegt wird. Lochs Weggang von Mitscherlich hat zu einer Verstimmung zwischen den beiden geführt, die Balint einfühlsam tröstend begleitet. Das Angebot, Loch an der Herausgabe des Ferenczi-Tagebuchs zu beteiligen, kommt durch den jähen Tod Balints im Dezember 1970 nicht mehr zum Tragen.

Summary: The letters between Wolfgang Loch and Michael Balint (1961-70). The paper is concerned with the correspondence between Michael Balint and Wolfgang Loch in the years of 1961 to 1970. There are 97 letters preserved, 60 from Balint and 37 from Loch. References to not existing letters show, that the bundle of letters is not complete, but conclusions about lacking subjects are possible. The letters give a vivid picture of the scientific and personal relationship of the two at the beginning quite uneven partners. Balint, 19 years older than Loch is a famous and worldwide appreciated psychoanalyst who cares about the scientific and personal development of Loch, the assistant of Alexander Mitscherlich and supports his habilitation plans and moving from Frankfurt to the university of Tübingen. Personal meetings strengthen the scientific exchange and lead finally to a deep friendship of partners on the same level. They discuss common subjects, e.g. regression or experience of time and depression. Balint invites Loch to a panel at the IPA-congress in Amsterdam 1965, Loch appreciates Balint`s contribution to theory and practice of psychoanalysis and writes a detailed paper on it, dedicated to the 70th birthday of Balint. Loch learns a lot about the significance of early object relations of the British psychoanalytic society and engages enthusiastically in the work of General Practitioners, which concern with the relation between doctor and patient. Loch`s leaving the Mitscherlich-institute led to a bad mood between the two. Balint accompanies this sad development in an empathetic way. His offer to Loch to help him with the publication of the Ferenczi-diary became no more noticeable because of the sudden death of Balint in December 1970.

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