Heft 68 (34. Jg. 2021): Prag I – Die Psychoanalyse in der Tschechoslowakei 1933–1970

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Thomas Kurz
Unerkennbar, selbst für ihre Freunde. Biografisches zur Berliner Analytikerin Elisabeth Naef, geborene Rosenbaum, und ihrer Tochter Gerda (S. 126-162)

Zusammenfassung: Über das Leben der Berliner Analytikerin Elisabeth Naef, der Schwester des Schweizer Staranwalts Wladimir Rosenbaum, war bisher wenig bekannt. Ernest Jones sprach auf dem Luzerner IPV-Kongress 1934 nach ihrem Suizid von ihr als von »einer Frau, deren markante Persönlichkeit ihr einen Einfluß gab, der weit größer war, als ihn Außenstehende nach ihren Schriften vermuten konnten«. In der Arbeit wird das Leben von Naef und ihrer Tochter Gerda aus dem Tagebuch ihres guten Freundes Lothar Erdmann, den Tageslisten von Otto Fenichel und weiterem Archivmaterial rekonstruiert. Dem Suizidmotiv, dass Naef wegen Morphinismus nicht emigrieren konnte, hält der Autor entgegen, dass sie Schweizer Bürgerin war und zu jedem Zeitpunkt in die Schweiz hätte zurückkehren können. Er meint, dass sie sich – wie der 1939 in Sachsenhausen von den Nazis ermordete Lothar Erdmann – von Berlin nicht losreißen konnte.

Summary: Unrecognizable, even to her friends. Biographical information about the Berlin analyst Elisabeth Naef, née Rosenbaum, and her daughter Gerda. Until now, little was known about the life of the Berlin analyst Elisabeth Naef, sister of the Swiss star lawyer Vladimir Rosenbaum. After her suicide, at the 1934 Lucerne IPA Congress, Ernest Jones spoke of her as »a woman whose striking personality gave her an influence far greater than outsiders could suspect from her writings.« The paper reconstructs the life of Elisabeth Naef and her daughter Gerda from the diary of her good friend Lothar Erdmann, the daily lists of Otto Fenichel and other archival material. The author counters the alleged suicide motive, that Naef could not emigrate because of morphinism, with the fact that she was a Swiss citizen and could have returned to Switzerland at any time. He thinks that she – like Lothar Erdmann, who was murdered by the Nazis in Sachsenhausen in 1939 – could not tear herself away from Berlin.