Heft 69 (35. Jg. 2022): Freud-Patienten II – Aus den Eissler-Interviews in der Library of Congress

bestellen: Heft oder E-Journal
(Gesamtheft und Einzelbeiträge)

« Zurück

Albrecht Hirschmüller
Vom Nutzen und Nachteil der Archive für die Geschichte der Psychoanalyse (S. 73–81)

Zusammenfassung: Es werden Probleme diskutiert, die sich bei der Nutzung von archivierten Krankenakten und von Korrespondenzen mit Therapeuten ergeben. Anhand von Beispielen aus dem Tübinger Archiv der Binswanger-Klinik in Kreuzlingen, aus dem Freud-Archiv in Washington und aus dem Archiv zur Geschichte der Psychoanalyse in Koblenz sowie anhand von Freud-Briefen, die Patientennamen enthalten, wird herausgearbeitet, welche Bestimmungen die geltenden deutschen Archivgesetze und die Benutzerordnungen der jeweiligen Archive treffen. Das Interesse des an der Geschichte der Psychoanalyse interessierten Forschers und die Rücksicht auf die berechtigten Interessen des Persönlichkeitsschutzes aller Betroffenen sind stets sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Sollte der Schutz sensibler Patientendaten nach einer gewissen Zeit enden? Absoluter Datenschutz für alle Zeit wäre nur durch Datenvernichtung zu gewährleisten.

Summary: On the use and abuse of archives for the history of psychoanalysis. The paper discusses certain problems in using case histories and correspondence of therapists in public archives. Some examples from the Tübingen archives of the Binswanger Clinic in Kreuzlingen, from the Archiv zur Geschichte der Psychoanalyse in Koblenz and from Freud letters containing patient names are adduced to highlight the existing stipulations of German archive law and archive user regulations. Theinterests of the researcher dealing with the history of psychoanalysis and consideration of the justified interests of privacy-protection for all persons concerned must always be carefully weighed against each other. Should patient data be kept secret forever or just for a certain time? Absolute secrecy could only be achieved by destroying the documents.